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Gender-Mainstreaming

Sehr geehrte Elternschaft,

bezugnehmend auf einen Beitrag bei der Konstituierenden Elternbeiratssitzung vom 22.10.2014, auf ein Schreiben einer besorgten Mutter und auf die Anfrage, ob sich die Liebfrauenschule an der  Onlinepetition „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" teilnehmen möchte,  teilen wir Ihnen hiermit die Position der Leitung der Liebfrauenschule Sigmaringen mit:

 

Zunächst möchten wir zusammenfassen, um was es bei dieser Diskussion überhaupt geht:

In Baden-Württemberg wird ein neuer Bildungsplan entwickelt.

Es geht um die Bildungsplanreform 2015/2016 - Verankerung von Leitprinzipien

(http://www.kultusportal-bw.de/site/pbs-bw/get/documents/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/kultusportal-bw/Bildungsplanreform/Arbeitspapier_Leitprinzipien.pdf)

 

(hier die aktualisierte Fassung mit etlichen Änderungen - danke für den Hinweis eines aufmerksamen Elternteils )

 

In dem Entwurf für „Kompetenzen und Inhalte der einzelnen Leitprinzipien" steht hinter jeder Beschreibung der einzelnen Leitprinzipien (Berufliche Orientierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Prävention und Gesundheitsförderung, Verbraucherbildung) eine Ergänzung: „Zusätzlich zu berücksichtigen unter dem Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt".

Diese Ergänzungen werden auf Seite 2 so begründet:

„Die Kinder und Jugendlichen müssen in der Lage sein, ihre eigenen Wertvorstellungen und Haltungen zu reflektieren und weiter zu entwickeln, Probleme und Konflikte friedlich zu lösen bzw. auszuhalten, aber auch Empathie für andere entwickeln zu können und sich selbst bezüglich des eigenen Denkens und Fühlens zu artikulieren und - wenn nötig - auch zu relativieren. Das macht es auch erforderlich, die Perspektiven anderer Personen und Kulturen übernehmen zu können, Differenzen zwischen Geschlechtern, sexuellen Identitäten und sexuellen Orientierungen wahrzunehmen und sich für Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzen zu können."  

 

Im Zusammenhang damit gab es nun die Initiative einer Onlinepetition von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, um den Bildungsplan in dieser Form zu verhindern. Gleichzeitig warfen Befürworter dieses Bildungsplans den Kirchen Intoleranz vor. Richtig ist, dass die Kirchen sich in einem Dialog mit der Landesregierung wegen der Formulierungen befinden und in einer Pressemitteilung klarstellten:

 

„Die evangelischen Landeskirchen und die katholische Kirche in Baden-Württemberg treten für Weltoffenheit, Toleranz sowie Respekt vor jedem Menschen und seiner unantastbaren Würde ein. Insbesondere sehen sie in den Menschenrechten und der Menschenrechtsbildung einen geeigneten Bezugsrahmen, um mit der Vielfalt in Schule und Gesellschaft umzugehen und die Entfaltung der Persönlichkeit sowie die verantwortliche Inanspruchnahme ihrer Freiheitsrechte zu fördern. In diesem Zusammenhang kommt der religiös-ethischen Bildung und Erziehung, die zur Wertschätzung von Vielfalt mit dazugehört, als Orientierungshilfe für den Einzelnen und als Dienst an der Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu: Damit treten wir für eine Bildung ein, die Kinder und Jugendliche stark macht, eine eigene Identität auszubilden und ihre Gemeinschaftsfähigkeit zu fördern. Diese Position wird von den Kirchen in Baden-Württemberg in Gesprächen und Verhandlungen mit dem Kultusministerium und anderen staatlichen Stellen seit Wochen nachdrücklich vertreten."

 ( Quelle: Pressemitteilung OKR Werner Baur, Evangelisch Landeskirche in Württemberg OKR Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, Evangelische Landeskirche in Baden Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Diözese Rottenburg-Stuttgart Msgr. Dr. Axel Mehlmann, Domkapitular, Erzdiözese Freiburg http://www.elk-wue.de/aktuell/detailansicht-pressemitteilung/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=50809&no_cache=1)

 

 

 

Position der Leitung der Liebfrauenschule Sigmaringen:

Die Liebfrauenschule ist eine Freie Schule mit der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg als Schulträger. Unserem Leitbild entsprechend machen wir es uns zur Aufgabe, jeden Schüler in seiner Selbstentfaltung zu unterstützen und ihnen allen aufzuzeigen, dass gegenseitiger Respekt und Mitgefühl zu einem gelingenden Miteinander beitragen. Wir wollen den Schülern dabei helfen, ihre Identität zu finden, ihr Leben selbst zu gestalten und in den gesellschaftlichen Wertesystemen ihren eigenen Standort zu finden.

Der Kollegdirektor in St. Blasien, Klaus Mertes schrieb dazu: „Auch viele Erwachsene wissen anscheinend nicht, worüber sie reden, wenn sie sich zu Homosexualität äußern. Es ist erfreulich, dass sich die Kirchen von den Hetzparolen und diffamierenden Blog-Einträgen distanziert haben, die seit der vergangenen Woche die Petition gegen die Leitlinien für Lehrpläne in Baden-Württemberg begleiten. Sie hätten vielleicht auch die Onlinepetition noch etwas kritischer unter die Lupe nehmen können, damit sich auch diejenigen Katholiken und Protestanten repräsentiert fühlen, die bei diesem Thema nicht nach HB-Männchen-Manier sofort in die Luft gehen. Und natürlich hat es nichts mit Homophobie zu tun, wenn man einige Punkte des vorgelegten Bildungsplans 2015 kritisch sieht. Darüber wird in Ruhe zu reden sein." (http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/kollegdirektor-mertes-prangert-hetze-gegen-homosexuelle-an--79595986.html) (vom 14.1.2014),

 

Auch wir, die Schulleitung der Liebfrauenschule, lehnen die Onlinepetition ab und wenden uns entschieden  gegen den Inhalt, die Art und Weise und die Wirkung der Petition.

Schon aus formalen Gründen beteiligen wir uns nicht an diesem Protest. Als Schule mit Bediensteten im Beamtenverhältnis machen wir zur Meinungsbildung und Meinungsäußerung von unserem Recht zur Remonstration durchaus Gebrauch. Die Petition geht aber, unserer Ansicht nach, hier zu weit.

Des Weiteren zweifeln wir daran, dass die bisherigen Unterstützer der Petition auf der Basis sämtlicher Verweise und Quellenangaben geurteilt und unterzeichnet haben. Die Verweise und Quellen scheinen uns einseitig gewählt und erzeugen somit nur den Anschein von Ausgewogenheit. Unserer Meinung nach werden die verwendeten Quellen so zitiert und interpretiert, dass sie in ein vorgefertigtes Meinungsbild hineinpassen.

Die Art und Weise der Verbreitung und die Möglichkeit des anonymen Blogeintrags fördert zudem einen unsachlichen, polemischen Verlauf der Diskussion. Dabei kam es auch zu diffamierenden Äußerungen, die wir keineswegs billigen.

Entgegen der Onlinepetition halten wir uns inhaltlich an den Artikel des Kollegen Klaus Mertes. Unsere Kinder und Jugendlichen sollen verstehen, dass Homosexualität keinen Makel darstellt. Eine Ausgrenzung von Mitmenschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung entspricht nicht unserem Menschenbild. Dass immer noch derbe Schimpfwörter gegen Homosexuelle in unserer Gesellschaft „beliebt" sind, zeigt uns den dringenden Handlungsbedarf.

Die Diskussion um das christliche Menschenbild und die unbedingte Annahme eines jedes Menschen, egal welcher Herkunft und egal mit welcher sexuellen Ausrichtung, darf sich selbst nicht ad absurdum führen, wenn sie ihrerseits wieder ausgrenzt und relativiert. „Auch homosexuellen Menschen ist dieselbe Würde der Gottesebenbildlichkeit zugesprochen [...] mit (allen) Konsequenzen für die Praxis, vom Schutz vor Diskriminierung bis hin zur Anerkennung von Rechten." (K. Mertes, Badische Zeitung vom 14.1.2014). Dieser Meinung schließen wir uns an und ergänzen mit K. Mertes: „Das Ideal der Ehe zwischen Mann und Frau ist (dadurch) nicht in Gefahr."

 

Die Schulleitung der Liebfrauenschule Sigmaringen

2014-11-13 15:42:31
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